Wie ich die Zukunft sehe

Ich bin unter anderem ein durch Gallup zertifizierter Strengths Coach. Was das bedeutet, kannst Du auf meiner Geschäftsseite sehen.

Meine dominanten Stärken, also die Talente, die ich konstant für gute Leistung einsetzen kann, sind:

Heute geht es mir insbesondere um die Stärke, mit der ich mich am häufigsten „herumschlage“ und die in mir am stärksten ausgeprägt ist: die Zukunftsorientierung.

Gallup beschreibt Zukunftsorientierung so:

Menschen mit einer stark ausgeprägten Zukunftsorientierung lassen sich von den kommenden Dingen inspirieren. Ihre Vorstellungen von der Zukunft beflügeln andere.

Ich selber habe es in meinem Artikel so gesagt:

Die Zukunft fasziniert mich. Ich lebe so 10 bis 50 Jahre in der Zukunft. Woher weiss ich das? Weil Konzepte, die ich mir als Kind erdacht habe, jetzt so langsam Wirklichkeit werden. Weil Lösungen, die ich vor 10, 20, 30 Jahren implementierte oder beschrieben habe, heute so langsam zum Standard werden.

Auf dieser Webseite befasse ich mich mit meinem Glauben. Wie beeinflusst der Glaube meine Stärke der Zukunftsorientierung, und wie beeinflusst die Stärke meinen Glauben?

Hintergrund

Doch zuerst etwas Grundlegendes:

Gott hat uns nach seinem Ebenbild geschaffen und uns Talente mit auf den Weg gegeben. Damit wir verstehen lernen, wie wichtig Beziehungen sind, hat er einen jeden einzigartig und wunderbar geschaffen, mit verschiedenen Talentkombinationen, Berufungen, Motivationsmustern und Charakterzügen. Natürlich auch, weil es sonst langweilig würde. Unsere Prägung überwuchert dies alles, lässt es aber auch wachsen.

Das heisst, dass wir einander brauchen, denn wir ergänzen uns. Wo ich schwach bin, ist jemand anders stark. Was mir schwer fällt und meine Freude abtötet – zum Beispiel repetitive Arbeiten, bei denen es nichts Neues zu lernen gibt -, gibt anderen Energie.

Unsere Verantwortung ist es aber auch, diese Talente zu Stärken zu entwickeln. Das geht nur durch Üben, durch ein Investment von Zeit und Kraft.

Ich selber habe jahrelang versucht, in Talente zu investieren, die ich nicht habe. Mit entsprechenden Folgen für meine Gesundheit und mit fehlendem Erfolg.

Die Zukunft

Die Stärke Zukunftsorientierung sieht eine Zukunft voraus, die erstrebenswert, wunderbar und herrlich ist. Sieht sie Probleme voraus, werden Massnahmen vorgeschlagen, diese Probleme zu umschiffen, um so wieder in eine positive Vision investieren zu können. Hier hilft auch die Behutsamkeit und die Strategie.

Ich sehe den Leib Christi als ein aus vielen Menschen bestehendes Wesen, welches miteinander lebt, arbeitet, webt, und schöpft.

Ich sehe eine Gemeinschaft von Erstgeborenen, oder wie Gott sie in der Bibel nennt: reifen Söhnen Gottes, ja sogar Göttern, welche so gewachsen sind, dass Gott in ihrer Mitte leben kann. Unser Bewusstsein wird so umfassend gereift sein, dass wir die unfassbare Grösse Gottes wahrnehmen und mit ihm in Vielfalt vollständig eins sein können.

Ich sehe, dass wir als gesamtheitliche Wesen gereift sein werden. Unsere Gefühle werden uns zum Segen sein. Unser Denken wird das Denken Christi sein, welches wir laut Paulus bereits haben, das wir aber noch zu wenig einzusetzen wissen – unsere Prägung kommt uns noch zu fest in den Weg. Unser Wille wird dem Willen Gottes entsprechen – nicht, weil wir sklavisch oder in Unterordnung tun, was er will, sondern weil wir in Einklang mit ihm schwingen, gleich denken, gleich fühlen.

Damit meine ich nicht Gleichschaltung, dass wir das gleiche denken und fühlen wie er. Nein, unser kreatives Denken und Fühlen wird von der gleichen Wesensart sein wie seines. Es wird keine Grenze mehr geben, also auch keine Grenze zwischen ihm und uns.

So wird die Gemeinschaft, die wir haben werden, derjenigen entsprechen, die Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist seit je her haben. Gott ergänzt die Gemeinschaft um seinesgleichen.

Die Gegenwart

Warum ist es so schwierig, anderen diese Zukunft nahezubringen? Weil sie so gar nicht dem entspricht, was wir Christen heute glauben.

Wie sieht die christliche Zukunft aus?

Irgendwann, wenn wir im Himmel sind, werden wir eine Ewigkeit damit verbringen, Gott anzubeten. Davor liegen aber noch ein paar Hürden.

Erstens werden es nur diejenigen schaffen, welche eine persönliche Beziehung mit Jesus haben. Das beinhaltet eine Entscheidung, Jesus als Herrn ins Leben zu lassen, daran zu glauben, dass er meine Sünden vergeben hat, als ich mich für ihn entschied, und dass ich danach einen Lebensstil führe, der seinen Anforderungen entspricht. Gelingt mir das nicht, gibt es die wiederholte Vergebung.

Alle, die nicht an Jesus glauben, aber von ihm wissen (was immer der Schwellenwert für „genug wissen“ hier ist), gehen ewig verloren. Wer ihn nicht kennt, für den hat Gott Möglichkeiten geschaffen: er kann nach seinem Gewissen leben, er kann Gott in der Natur sehen. Wir massen uns nicht an zu sagen, wer dann wirklich gerettet ist. Das ist Gottes Entscheidung.

Weltgeschichtlich leben wir in einer gefallenen Welt. Das hat zur Folge, dass wir Leid und Versuchung erleben. Jesus steht uns in beiden bei. Doch diese Welt muss wieder hergestellt werden. Der Feind, der eine gewisse Macht ausübt, wird dies nicht so ohne weiteres geschehen lassen. So kommt es zu einer grossen Aufräumaktion, in der der Feind mit all seinen Dämonen und den Menschen, die ihm nachfolgen, vernichtend geschlagen werden.

Während dieser Aufräumaktion sind diejenigen, die glauben, nicht mehr hier, kommen aber nachher wieder zurück, um noch einmal allen die wunderbare Seite eines Lebens mit Gott vorzuleben. Trotzdem erheben sich am Schluss die feindlichen Mächte noch einmal, verlieren aber wieder. Danach das Gericht und die Hölle für sie. Für uns den Himmel.

Ich sage all dies ohne Vorwurf, aber mit Verwunderung, ohne Spott, aber mit ein paar Fragen.

Meine Fragen

Ist es notwendig, dass es schlimmer wird, bevor es besser werden kann?

Gab es keinen Plan, der weniger Ausschuss produzieren würde? Erklärung all des Leidens, all der Verdammung ist es, dass dies der Prozess sei, durch den Gott am Schluss eine Menge von Gläubigen haben werde, die ihn aus freier Entscheidung lieben und anbeten würden. Ohne freien Willen keine Liebe. Aber mit freiem Willen zwangsläufig Leid und Verdammnis.

Ist ein Gott, der Liebe ist, jemand, der Milliarden von Menschen der Verdammnis anheim gibt? Natürlich kann sich jeder selbst entscheiden. Natürlich ist unsere Prägung und nicht unbedingt unser Wesen dafür verantwortlich, dass wir uns entscheiden, wie wir uns entscheiden. Gott ist Liebe, und Gott ist gerecht. Liebe ist sein Wesen, seine Substanz, während Gerechtigkeit „nur“ eine seiner Eigenschaften ist.

Ich weiss nur, dass ich nicht entscheiden kann oder will, wer gerettet ist. Trotzdem sind unsere Predigten gespickt mit „Du musst nur“ und „Wenn …, dann …“. Kann ich mehr tun als demütig weiterzugeben, was ich bis jetzt erkannt habe in meinem Leben?

Und hier komme ich an einen Punkt, an dem sich mein Verständnis wesentlich vom Verständnis anderer unterscheidet.

Für mich ist die Bibel eine Chronik des wachsenden menschlichen Verständnisses dessen, wie und wer Gott überhaupt ist.

Meine momentanen Antworten

Die Bibel ist für mich göttlich inspirierter Anschauungsunterricht dafür, wie sich das Gottesbild der Menschen in der Geschichte verändert hat. Gott hat sich einem jeden so offenbart, dass er es mit seinen Kapazitäten aufnehmen konnte – und gerade genug herausgefordert wurde, dass er nicht überfordert wurde.

Die Bibel wurde vollständig im Zeitalter des Gesetzes geschrieben. Beim Alten Testament ist das klar, für das Neue Testament ist es notwendig, die Kultur und Weltanschauung der Schreiber zu betrachten, nicht die von Jesus und Paulus im Speziellen angepeilten nächsten Wachstumsschritte.

Bis ungefähr 100 Jahre vor der Reformation kannte der Mensch keine wissenschaftlichen Vorgehensweisen im modernen Sinne. Durch die industrielle Revolution wurden Untersuchungsmethoden, Statistik, Empirie, Beweisführung, aber auch persönliche Leistung und freier Wille in unser Denken integriert, so dass wir uns heute kaum mehr vorstellen können, dass es je anders war.

Anfangs letztes Jahrhundert wurde dann die Toleranz für unsere Verschiedenheit entdeckt. Bis dahin – und leider in unserem Schulsystem bis heute – ging man davon aus, dass die Menschen im Grunde genommen über einen Leisten geschlagen werden konnten. Wer nicht passte, wurde passend gemacht oder als abnormal, von der Norm abweichend ausgemustert.

Jetzt aber ist es tief im Denken vieler verankert, wenn auch noch nicht Allgemeingut, dass wir uns gemäss unseren Stärken und unserem Wesen entwickeln.

Was war aber das Denkmuster der Zeit, als die Bibel geschrieben wurde?

Inhaltlich ging es in vier verzahnten Schritten um verschiedene Bedürfnisse und Entwicklungsschritte der Menschheit:

  • Überleben, wie wir es in den ersten Geschichten der Bibel finden: Schöpfung, Kain und Abel, Flut
  • Sicherheit, wie wir es beim Turmbau zu Babel, der Familiengeschichte von Abraham, und den Richtern finden.
  • Abenteuer und eigene Macht entdecken, wie wir es bei Abraham, Mose, Josua, den Richtern selber, und David finden.
  • Soziale Zugehörigkeit, wie wir es im Gesetz ab Mose bis zu den Pharisäern in den Evangelien finden.

Die Denkmuster verschwinden nie, sondern werden bestenfalls in später dazugekommene Denkmuster integriert. Oft fallen Menschen auch in sie zurück, wenn sie zum Beispiel schwer krank werden, Drogen nehmen, Versorgungsnöte erleben, oder einsam sind. Oft ist es auch gut, diese Muster wieder zu erleben: Jemandem den Schutz einer Familie zu bieten, den Mut für Veränderung oder zur Verteidigung der Liebsten aufzubringen, und soziale Normen für ein geregeltes Zusammenleben zu entwickeln.

Allerdings tendieren wir dazu, in allem die Aspekte zu sehen, die unserem Denken entsprechen.

So sah Abraham Gott als den Gott seiner Familie, der ihm und den seinen Schutz gegen die da draussen gibt.

Mose sah Gott als den Gott, der ihn begleitet und an seiner Seite gegen Pharao streiten würde.

Und die Pharisäer sahen das Heil in der wortgetreuen Befolgung der Gebote  Gottes und die Zugehörigkeit zum Volk des Heils in der Beschneidung.

Die Schreiber der Bibel lebten alle im Zeitalter der sozialen Zugehörigkeit aufgrund von Gehorsam gegenüber dem Gesetzt. Im Alten Testament kam dazu die nationalstaatliche Zugehörigkeit, welche im Neuen Testament durch die Zugehörigkeit zur Gemeinde ersetzt wurde.

Die Konsequenzen

Wenn Gott zu uns spricht, dann spricht im Normalfall Geist zu Geist. Unser Geist ist ein uns nicht bewusster, aber wesentlicher Teil unseres göttlichen Bewusstseins. Damit uns die Rede Gottes bewusst wird, wird sie durch unser Denken und Fühlen vom Unterbewussten ins Bewusstsein transportiert.

Dabei kann die Aussage, welche Gott macht, nur im Rahmen unserer Symbole, Denkmuster, Weltanschauung, unseres Verständnishorizonts hervorbrechen und interpretiert werden. Natürlich ist es möglich, dass dieses Denken etwas herausgefordert und erweitert wird, aber wohl nur in bestimmten, von Mensch zu Mensch unterschiedlichen Grenzen. So ist es gewissen Menschen eher möglich, die Grenzen des Bekannten zu sprengen. Sie haben zum Beispiel oft die Stärken Verbundenheit und Vorstellungskraft. Sprengt ein Gedanke unsere Vorstellung zu sehr, wird er oft als Häresie abgetan oder lässt den Denkenden verrückt werden.

Ein biblischer Text wurde also unter Umgehung der natürlichen Grenzen des Schreibers diktiert, und sprengte so die Vorstellungskraft des Schreibers selbst. Eine Möglichkeit.

Oder der Text entspricht genau den Vorstellungen Gottes und jegliche Weiterentwicklung des Menschen aus den sozialen Grundbedürfnissen hinaus ist nicht im Sinne Gottes. Zweite Möglichkeit.

Oder der Text entspricht der Interpretation des Schreibers dessen, was Gott ihm gesagt hat. Gott nimmt es bewusst in Kauf, dass der Schreiber seine eigene Interpretation des Gesagten einfliessen lässt. So ist der Text für den Leser verständlich, denn auch dieser interpretiert ihn im Rahmen seines Verständnishorizonts.

In dieser letzen Variante wird es notwendig, dass der heutige Leser die Bibel ebenfalls im Rahmen seines eigenen Verständnishorizonts interpretiert, immer mit der Offenheit, sich so weit es ihm möglich ist herausfordern und verändern zu lassen. Nicht hin zu einem Kind des Gesetzes, sondern zu einem Kind Gottes im Rahmen unserer Zeit und Erkenntnis und dem fortschreitenden Plan Gottes..

Meine Antworten

So gesehen hat Gott nie Völkermorde befohlen, und wird er wohl auch keinen mehr befehlen. Da stellt sich aber sofort die Frage nach der Bedeutung der Offenbarung.

Was, wenn die Offenbarung keine zukünftige Ausmarchung des Bösen inklusive aller bösen Menschen darstellt? Was, wenn sie das Ende des Zeitalters des Gesetzes darstellt? Was, wenn es um die zwei Seelen in meiner Brust geht, von denen Paulus schreibt?

Was, wenn das Gesetz da war, um uns so lange zu leiten, bis wir bereit, ja fähig waren, einen besseren Weg zu beschreiten? Einen Weg der Gnade, der von uns ein wesentlich abstrakteres Denkvermögen und einen stärkeren Willen braucht, als es externe, von Gott durchgesetzte Gesetze je brauchen würden? Schliesslich haben wir Regeln mit Strafe und Belohnung für Kinder und Hunde, während wir uns bei Erwachsenen erhoffen, dass wir mit Vernunft und Verständnis weiter kommen.

Was, wenn das Gericht nicht mit einem Verurteilen, also Strafe oder Belohnung zu tun hätte, sondern mit einem Zurechtrücken, einem andauernden Prozess? Wären es wir dann nicht selbst, die uns durch Selbstvorwürfe und Scham die Hölle bereiten, wo der langsame Tod, Krankheit und der Verkläger der Brüder uns noch so gerne in unserer Meinung bestätigen?

Könnte Gott sogar Wege finden, zu jedem durchzudringen, ohne irgend jemanden zu einem von ihm bestimmten Zeitpunkt aufzugeben? Muss es in diesem Leben sein? Könnten Äonen, Zeitabschnitte folgen, in denen Gott weiter an uns arbeitet? Oder könnte er sogar ganz andere Massstäbe haben als wir?

Kann man das mit den Texten der Bibel vereinbaren? Wenn man durch die Schichten der Interpretation hindurch dringt, welche die Schreiber ihrer Weltanschauung gemäss hinterlassen haben, denke ich, dass man das kann.

Meine Zukunftsorientierung sieht den Plan, die Menschheit in ein grösseres Bewusstsein zu führen – den Leib Christi. Individuell, massgeschneidert. Und das heutige Verständnis der Bibel ist ein Weg dazu, unter vielen. Viele Wege führen zu Gott, Jesus führt zum Vater. Denn Christus ist das Wort Gottes, nicht die Bibel, und sicherlich nicht die menschliche Interpretation des Wortes, sei es beim Schreiben oder beim Lesen.

Ich liebe das Wort und vertraue Ihm umso mehr, und er vertraut uns wesentlich mehr als wir es uns zugestehen. Tun wir ab, was kindisch ist, um seine Kinder, seine Söhne zu sein.

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Veröffentlicht am
Kategorisiert in Vision

Von Ralph Rickenbach

Accompanyist | Writer | Son of God — ideation | learner | deliberative | intellection | futuristic — I am a Gallup certified CliftonStrengths coach and a Spiral Dynamics practitioner.