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Gedanken zu 2020

Lesedauer 3 Minuten

2020 ist ein Jahr des Durchbruchs und des Zusammenbruchs.

2020 ist ein kritisches, wichtiges Jahr. Viele sehen es als den Beginn eines neuen Jahrzehnts, obwohl es das letzte Jahr ist des alten. Das macht es in unserer Kultur zu einem Jahr des Übergangs.

Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreissen und einreissen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Jeremia 1:10

Wenn ich diesen Vers betrachte, erscheint mir mein Eindruck für 2020 als nicht mehr so bedrohlich und dualistisch. Entweder/oder wird zu einem Sowohl/als auch.

Durchbruch und Zusammenbruch gehen Hand in Hand. Dies scheint zuerst ein Paradoxon, ein Widerspruch zu sein.

Durchbruch ist nicht die Folge von Zusammenbruch. Es geht hier nicht um die zeitliche Abfolge. Es geht nicht um Wiedergeburt aus dem Chaos.

Durchbruch führt auch nicht zum Zusammenbruch. Hier kommen Heilsphilosophien und Endzeit-Konstrukte in den Sinn: Wenn Jesus wiederkommt, wird alles Schlechte und Falsche zusammenbrechen.

Es geht hier auch nicht um Leistung und richtiges Leben: Wenn ich endlich durchbreche, wird alles, was nicht Gott meint, zusammenbrechen.

Alle diese Auslegungen sind dualistisch, teilen die Welt ein in Gut und Böse, Richtig und Falsch. Zu leicht fällt es uns, wenn wir in solchen Kategorien denken, das Wirken Gottes zu verpassen.

Wer hatte nicht schon Schwierigkeiten mit dem Vers oben: 4 mal Zusammenbrechen, ja sogar aktives Zerstören, nur um 2 mal zu bauen. Und im alten Testament geht es hier um tatsächliches Zerstören, darum, ganze Völker zu eliminieren.

Haben die Menschen es damals richtig verstanden? Konnten sie es nicht anders verstehen? Sind wir gewachsen seit damals?

Zu oft sehen wir es so:

Wir beten gegen, wir schliessen aus, wir demonstrieren gegen, wir machen schlecht und verurteilen, und dann strecken wir die Hand aus und wollen die Menschen integrieren als unser Ebenbild.

Und wir fragen uns, warum kaum jemand davon begeistert ist.

Durchbruch und Zusammenbruch spricht auch nicht vom Andern. Es spricht von mir. Durchbruch und Zusammenbruch sind die notwendigen zwei Komponenten von Wachstum, die Hand in Hand spielen, verschränkt, und manchmal ist man sich nicht so sicher, was nun was ist.

Es ist das Spiel, das Wirken Gottes in unserem Leben.

Durchbruch und Zusammenbruch sind hier nicht extern, nach aussen gerichtet zu sehen. Es geht nicht um Systeme, Politik, supranationale Bünde und Konstrukte wie die EU, Philosophien und Strömungen.

Es geht um das Denken, Fühlen, Wollen, um unser Innerstes. Es geht darum, das Kategoriendenken von Richtig und Falsch zu überwinden. Darum, nicht zwischen uns und denen zu unterscheiden. Darum, Gnade und Liebe walten zu lassen im Durchbruch und Zusammenbruch.

Ich sehe eine Periode von zwei Jahren: im ersten Jahr liegt die innere Arbeit, im zweiten Jahr das äussere Wirken aus einer neu gewonnenen Perspektive des Sowohl/als auch, der Gnade und der Liebe. Der Abschluss und der Beginn verschränkt.

Die beiden Jahre werden von uns alles fordern. Zu wachsen ist ein anstrengender Prozess. Wir brauchen gute Nahrung. Wir brauchen viel Kommunikation.

Es geht hier nicht um das Wachstum eines Babies, sondern um die Teenagerjahre. Alles verändert sich, und manchmal sieht es nicht gerade vorteilhaft aus: zu schlaksig, mit Pickeln. Manchmal tut es weh: Wachstumsstörungen. Manchmal weiss man nicht mehr, wer man ist: Fisch oder Vogel.

Unser Denken, unser Hirn ist noch nicht voll ausgebildet. Unser Fühlen ist ein absolutes Durcheinander. Unser Wollen ein Chaos.

Im Natürlichen existieren zu dieser Zeit Vorbilder, welche uns helfen können, auch wenn es oft gerade die Menschen sind, von denen wir Hilfe am Wenigsten annehmen wollen.

Wir sind in einer Zeit, in der es keine solchen Vorbilder gibt. Die Vorbilder, die wir bisher hatten, haben diesen Weg auch noch nicht beschritten. Oft haben sie es schwerer, ihn zu gehen, weil sie den vorherigen Weg so sehr verinnerlicht haben.

Es ist an uns, diesen Weg zu gehen. Ehren wir die Vorbilder der letzten Jahre, der letzten Phase, indem wir weitergehen. Helfen wir ihnen, mitzukommen. Sofern es ihre Bestimmung ist.

Viele werden nachkommen, dahin, wo wir waren, und sie brauchen gute Vorbilder auf ihrem Weg. Vielleicht sind es die Menschen, die uns geholfen haben. Auch hier gilt: kein wir gegen sie, kein Urteil. Gnade und Liebe.

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Kommentare

0 Antworten zu „Gedanken zu 2020“

  1. Avatar von Marianne
    Marianne

    Viele Gedanken bewegen mich, wenn ich über deine Gedanken fürs 2020 nachdenke. Ich suche für mich die Essenz davon. Nicht ganz leicht, sie zu finden, in einigen Gedanken schriftlich festzuhalten. Trotzdem: ich versuche es. Zeiten des Durchbruchs, des Zusammenbruchs, widersprüchlicher Gefühle, Orientierungslosigkeit und Finden, resp. Gehen neuer Wege, so der Kern deiner Aussagen. Ich fragte nach dem Woher, nach dem Verursacher dieses Chaos. Ich sehe es hervorgerufen durch Gott selber. Bibelworte kommen mir dazu in den Sinn: „Dein Reich komme“, „Noch einmal will ich erschüttern, nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel“(Hebr.12/26), „Alles Fleisch schweige vor dem Herrn, denn er hat sich aufgemacht aus seiner heiligen Wohnung“ (Sach.2/17) Gott kommt, das ist für mich die eine zentrale Botschaft. Er ist derjenige, der erschüttert, der Neues will. Viel Altes, vom Menschen Festgemachtes, hält für Gottes Reich nicht stand. Er aber gibt seine Schöpfung, seinen Plan mit ihr nicht der Willkür von finsteren Mächten und durch sie verführten Menschen preis. Gott kommt, um zu richten, auszurichten, auszureissen, niederzureissen, zu bauen, zu pflanzen. Es ist sein Herz, das für uns schlägt, für uns als Menschheit, für jeden einzelnen Menschen. Kommt er darum nicht zuerst zu denen, die sich zu ihm bekennen? Verlangt es ihn nicht danach, sie näher zu sich zu ziehen, sie als seine Söhne und Töchter zu befähigen, die Liebe zu ihm tiefer werden zu lassen und sie dadurch auch in der Autorität wachsen zu lassen?
    Die Herausforderung für mich, wie für jeden, der die Nähe Gottes zulassen will, besteht darin, dass ich meine Zustimmung zur Nähe Gottes geben muss. Will ich mich in seinem Licht sehen, so wie er mich leitet? Oder bin ich noch nicht bereit dazu, bewege ich mich im Verdränger Modus? Bin ich bereit, mich ihm und seiner Liebe zu mir zu überlassen, weil ich ihm vertraue? Glaube ich, dass er ausschliesslich gut ist? Wenn ja, kann Wachstum geschehen, ereignen sich auch Zusammenbruch, Durchbruch, Veränderungen, neue Wege. In mir, wie du schreibst. Im Zentrum meiner Persönlichkeit. Von da heraus verändern sich auch meine Haltungen, mein Verständnis, meine Gefühle für meinen Bruder, meine Schwester, meinen Nächsten. Ist dies ein schneller, einfacher Weg? Nein, es ist tägliche Arbeit, aber eine, die sich lohnt. Gnade und Liebe empfangen, darin leben und begegnen, das ist der neue Weg, den du, Ralph, uns aufzeigst. Kann es einen besseren geben?
    Ich gebe meine Zustimmung zu Gottes Nähe.