Das Ziel

Der Geist selbst gibt Zeugnis zusammen mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.

Römer 8:16

Johannes vom Kreuz (1542-91) war ein Karmelitermönch im Orden von Teresa von Avila.

Er formulierte das Ziel Gottes mit dem Menschen so:

Was Gott erstrebt, ist, uns zu Göttern durch Teilhabe zu machen, wie er Gott von Natur ist.

Weisungen 2,27

Gott möchte, dass wir teilhaben an dem, was er in der Dreieinigkeit erfährt und ist. Er möchte, dass wir zuwendungs- und liebesfähig, wahr und kreativ sind wie Gott.

Der Mensch wird an Gott selber teilnehmen, zugesellt der Heiligsten Dreifaltigkeit, mitwirkend deren Werke.

Geistlicher Gesang 39,6

Was für eine Vision. Grössenwahnsinn? Ich denke nicht. Überheblichkeit? Nicht einen Moment.

Warum sage ich dies?

Wir Menschen möchten, dass unsere Kinder erwachsene Menschen werden. Wir möchten, dass sie zu selbständigen, lebens- und liebesfähigen Geschöpfen nach unserer eigenen Art werden. Wir möchten, dass sie ihre Begabungen, ihre Stärken in die Gemeinschaft einbringen dürfen, und so die Zukunft kreativ mitgestalten können.

Warum nehmen wir an, dass Gott Kinder schafft, für die er plant, dass sie ihn eine Ewigkeit anbeten werden? Die gegenseitige Würdigung, das beidseitige Lob ist Teil einer jeden gesunden Vater-Kind-Beziehung, aber nur absolut traditionelle, patriarchalische, und, verzeih die Wortwahl, narzisstische Menschen sehen Lob als eine Einbahnstrasse vom Kind zum Vater.

Gott hat Wesen, die ihn anbeten. Wir nennen sie Engel. Oft wurde die Unterscheidung gemacht, dass wir Gott freiwillig anbeten sollen, aus Liebe und Glauben, während die Engel diese Wahl nicht haben.

Und doch gibt es in der biblischen Lehre Engel, welche gefallen sind. Sie haben sich gegen Gott entschieden. Das sagt mir, dass Engel einen freien Willen haben. Der freie Wille ist Voraussetzung für Liebe. Klar, sie wissen, dass Gott existiert, brauchen also keinen Glauben. Und doch haben die gefallenen Engeln geglaubt, dass der Teufel siegen könnte gegen Gott.

Das Argument der freiwilligen Anbetung scheint logisch also nicht haltbar–sofern wir an der Existenz von Engeln und Dämonen und deren Herkunft festhalten wollen. Doch das ist ein anderes Thema.

Freiwillige Anbetung aus Liebe und Glaube greift also zu kurz als Erklärung dafür, dass Gott die Menschen seine Kinder nennt.

Oft habe ich mir überlegt, ob wir Menschen uns mehr für unsere Kinder wünschen als Gott für seine Kinder. Ein eigentümlicher Gedanke, ich weiss. Ich habe noch viele davon.

Gott hat uns den Wunsch ins Herz gelegt, dass unsere Kinder uns ähnlich werden. Wir wünschen uns für unsere Kinder nur das Beste. Er hat uns auch den Gedanken gegeben, dass wir in unseren Kindern auf eine gewisse Art auch weiterleben.

Früher hat sich das ganz praktisch gezeigt, wenn der Vater dem Sohn sein Geschäft übergeben hat, und der Sohn schon als kleiner Junge den Vater imitiert hat mit dem Werkzeuggürtel um die Hüften.

Heute sind unsere Wünsche oft auf einer Metaebene. Wir möchten, wie gesagt, dass unsere Kinder ihr volles Potenzial für sich selbst und die Gesellschaft entfalten können.

So auch Gott. Er nennt uns Kinder, weil er das Potenzial in uns sieht, dass wir ihm in Teilhabe gleich werden, wie er von Natur aus ist.

Was also ist dieser Unterschied, der sicherlich besteht?

Schauen wir uns Adam an. Geschaffen direkt von Gott, hatte er keinen irdischen Vater. Er war von Natur aus Mensch. Wir, als seine Nachkommen, haben Teil am Menschsein durch Geburt. Doch sind wir anders als Adam? In den meisten Aspekten nicht.

Gott nennt uns Kinder. Oft nennt er uns auch Söhne. Ein Sohn in der jüdischen Tradition ist ein Kind, welches mit 30 zum Teilhaber erklärt wurde. Der Vater nahm seinen Sohn mit 30 in die Tore der Stadt zu den Ältesten und sagte: Dies ist mein Sohn, an dem ich Freude habe. Hört auf ihn.

Ab diesem Zeitpunkt war das Wort des Sohnes gleich viel Wert wie das Wort des Vaters. Und bitte vergebt mir die leider historisch korrekte patriarchalische Sichtweise.

Gott nennt uns Kinder. Söhne „in the making“.

Denn alle, die durch den Geist Gottes Igeleitet werden, die sind Söhne Gottes.

Römer 8:14

Sich durch den Geist Gottes leiten zu lassen, erlaubt es uns nach dieser Aussage von Paulus, bereits hier auf Erden Söhne Gottes zu sein.

Was heisst nun die Aussage „durch den Geist Gottes geleitet“.

Ein Kind wird vom Vater und der Mutter geleitet. Ihre Stimme, und manchmal auch die Hand, geben vor, und das Kind reagiert mit mehr oder weniger Gehorsam.

Ein erwachsener Sohn, eine erwachsene Tochter auf der anderen Seite wird durch den Geist des Vaters und der Mutter geleitet. Es sind dies die Prinzipien, welche sich verfestigt und den Sohn , die Tochter geprägt haben durch Erziehung und Vorbild.

Wie sagt es Paulus: Wir aber haben das Denken Christi. Jesaja sagt es anders: Ich will aber einen anderen, einen neuen Bund mit Ihnen schliessen, bei dem ich mein Gesetz in ihre Herzen schreiben werde.

Beide Worte, die hier mit Denken oder Herz übersetzt werden, beinhalten Denken, Fühlen, Wollen, Sein, Leben, unser Innerstes. Unser Menschsein.

Wer kennt nicht die innere Stimme, die uns zurechtweist. Bei manchen tönt sie sogar wie die Stimme der Mutter. Oft nennen wir diese Stimme das Gewissen, und nur allzu oft nennen wir sie das Reden des Heiligen Geistes. Und manchmal ist das sogar wahr, den auch der Vater eines erwachsenen Sohnes hört nicht auf, mit diesem Sohn zu sprechen, auch wenn es häufiger Ratschläge sein werden als Ermahnungen.

Jeder Mann ist immer Sohn – ausser, im menschlichen Sinne gesprochen, Adam, der als Mann und nicht als Junge geschaffen wurde. Das Bild von Gott dem Vater mit uns als Kindern spiegelt wunderbar diese Beziehung wieder. Gott war schon immer, und wir werden für immer sein.

Warum lassen wir uns beschränken auf den billigen Abklatsch, den wir als unsere Zukunft sehen? Eine Ewigkeit anzubeten wie die Engel, nur dass unser Einstand schwieriger war, weil wir im Glauben und nicht im Schauen begannen?

Das Ziel zu kennen, und die Werkzeuge erhalten zu haben, diesen Weg zu gehen, ist alles, was wir benötigen. Das Ziel ist, in Teilhabe Götter zu sein, in perfekter Einheit. Das Werkzeug ist, das Denken Christi auszuleben, den neuen Bund im Herzen zu haben und danach zu handeln.

Es geht nicht ewig um Gehorsam und Sündlosigkeit, sondern um Wachstum, und Gehorsam und Sündlosigkeit sind Werkzeuge dazu. Es geht nicht um Moral und Ethik, sondern um Liebe, und Moral und Ethik sind ein Anfang. Es geht nicht ums Zuschauen und Bewundern, sondern um Teilnahme.

Oder wie gesagt wurde: Clean up, Wake up, Grow up, Show up.

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Von Ralph Rickenbach

Accompanyist | Writer | Son of God — ideation | learner | deliberative | intellection | futuristic — I am a Gallup certified CliftonStrengths coach and a Spiral Dynamics practitioner.