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Das Werden eines Sohnes Gottes

Lesedauer 5 Minuten

Wer immer sich bewusst wird, dass sein Ursprung in Gott liegt, versteht die Sprache Gottes sofort. Ihr stellt diese Verbindung nicht her, weil Ihr nicht erkennt, dass Euer wahrer Ursprung in Gott liegt.

Joh 8:47 MIR, aus dem Englischen

Die traditionelle Übersetzung dieses Verses impliziert Trennung:

Wer von Gott ist, der hört Gottes Worte; ihr hört darum nicht, weil ihr nicht von Gott seid.

Joh 8:47 Luther 2017

Jeder, der diese Übersetzung liest, teilt die Menschheit sofort in zwei Lager: diejenigen, die von Gott sind, und diejenigen, die es eben nicht sind.

Ein äusserst menschliche Bild von einem Vater. Was meine ich damit?

Niemand wird mir widersprechen, wenn ich sage, dass Gott laut der Bibel den Menschen geschaffen hat.

Daraus folgt ganz direkt, dass Gott der Vater der Menschheit ist. Jesus bestätigt uns das auch.

Um nicht mehr Vater eines Menschen zu sein, muss Gott also sein Kind verstossen.

Wir Menschen sind weiter als das: natürlich kann ein menschlicher Vater seine Kinder verstossen. Erbrecht und Vaterschaftstests zwingen ihn allerdings, seine Pflichten mindestens teilweise trotzdem wahrzunehmen.

Vaterschaft ist nicht kündbar. Und wenn Gott das täte, wäre er moralisch nicht besser, ja sogar schlechter als wir Menschen.

Daher gefällt mir die Übersetzung, die ich als Grundlage für den heutigen Artikel gewählt habe, so gut.

Wir sind überzeugt davon, Gottes Kinder zu sein bzw. nicht zu sein. Wie im Gleichnis des verlorenen Sohns glauben wir,

  • frei sein zu müssen,
  • nicht mehr würdig zu sein, ein Kind des Vaters zu heissen,
  • oder nie als Kind beachtet worden zu sein und wie ein Diener gearbeitet zu haben.

Diese ganze Verwandtschaftssache findet in unserem Kopf statt. Aus Gottes Sicht hat sich nie etwas geändert.

Der Vers drückt es wunderbar aus:

Sobald uns bewusst wird, dass wir tatsächlich Kinder Gottes sind, ja sogar Substanz seiner Substanz, verstehen wir.

Solange wir uns dessen nicht bewusst sind, versuchen wir höchstens, zu genügen, um adoptiert zu werden. Wir verwenden diesen Ausdruck sogar, um zu sagen, was bei unserer Bekehrung geschieht. Gott adoptiert uns. Er adoptiert uns, Kinder eines anderen, und nennt uns seine Kinder.

Das allerdings wäre eine Lüge der perfidesten Art. Gott würde es so darstellen, als wäre er nicht unserer leiblicher Vater, was zur Folge hätte, dass wir uns nie ganz sicher fühlen würden und er uns durch unsere Verpflichtung zur Dankbarkeit manipulieren könnte. Würde er das je tun? Natürlich nicht. Wären wir uns dessen je sicher? Wahrscheinlich nicht.

Wenn uns dann bewusst wird, dass er uns ja geschaffen hat, in dem Sinne also unser leiblicher Vater ist, müssten wir immer damit rechnen, dass er uns wieder verstösst. Was er einmal getan hat, kann er wieder tun. Er ändert sich ja nicht.

Das hat zur Folge, dass wir meinen, Leistung erbringen zu müssen, um der Beziehung sicher zu sein. Liebe durch Gehorsam erkaufen zu müssen.

Ein Vater aber verlangt keine Leistung für seine Liebe. Ein Vater weiss auch, dass Vaterschaft nicht kündbar ist.

Sind wir uns nicht bewusst, dass unser Ursprung in Gott liegt, können wir uns auch selber nicht lieben. Zu gross ist unsere Angst, dass das Verhalten der Person, die wir dann unseren leiblichen Vater nennen müssen, in uns wieder durchbricht. Wer ausser Gott konnte den unser Vater sein? Da kommen nur zwei in Frage: der Teufel und die Sünde.

Jesus selber nennt die Pharisäer Kinder des Teufels. Er spricht da ihre Identifikation, ihren eigenen Glauben an. Sie sehen sich so, und versuchen durch Gesetzestreue und Leistung Gottes Liebe zu erlangen.

Ich selber habe in meinem Leben Zeiten durchlebt, in denen ich mich fürchtete, so zu werden wie mein Vater.

Wir geben dieser Angst in unseren zum Teil biblisch motivierten Sprichwörtern Ausdruck: Wes Geistes Kind jemand ist, wer der Vater des Gedankens war, und so weiter.

Wir haben, hatten und werden immer nur einen Vater haben: Gott, den Schöpfer.

Wir beginnen unser Leben in Einheit mit diesem Schöpfer, sind uns dessen aber nicht bewusst.

Gott schenkt uns unser Bewusstsein, und wir verlieren diese Einheit. Denn wir lernen, dass wir scheinbar getrennt sind: da gibt es Dinge, und andere Menschen mit eigenem Willen und unabhängigem Handeln.

Unser Leben ist nun eine Reise der Bewusstwerdung, unser Ziel die Bewusstwerdung der Tatsache, dass wir unseren Ursprung in Gott haben, ja dass wir Teil dieses Ursprungs sind. Unser Ziel ist die Bewusstwerdung, dass wir Gott sind, weil es keine Trennung gibt.

Natürlich meine ich das nicht im humanistischen Sinn, dass wir unsere eigenen Götter sind als Individuen. Ich meine das im holistischen Sinne: es gibt kein ich und Du, es gibt nur uns im Ich.

Ganz im Sinne des Konstruktivismus ist die Reise dahin ein Zusammenspiel innerer und äusserer Einflüsse.

Wir kommen zur Welt mit einigen Basisfähigkeiten, um auf unsere Umwelt zu reagieren. Diese Umwelt interagiert mit uns, reagiert auf unsere Aktionen, und lehrt uns so weitere Fähigkeiten, welche immer mehr zu Abstraktionen führen.

Wenn wir einem Kind beibringen wollen, sein Zimmer aufzuräumen, beginnen wir mit dem, was es kann: es weiss, was ein Teddybär ist. Auch weiss es, das man den Teddybär in ein Gestell stellen kann.

Als nächstes bringen wir im bei, die Lego in eine Schachtel zu werfen.

Und je mehr solche Aktionen wir ihm beibringen, mit den entsprechenden positiven Rückmeldungen, desto eher wird es begreifen, was aufgeräumt bedeutet. Ein abstraktes Prinzip ist verankert als gemeinsames Charakteristikum mehrerer Aktivitäten in Interaktion mit seiner Umwelt.

Genau so geht Gott mit uns um. Wir lernen als Menschheit durch unsere Interaktion mit unserer Umwelt und ihm, was es bedeutet, Gott zu sein.

Ab einem gewissen Zeitpunkt können wir uns sogar aktiv, selbstmotiviert und selbstbestimmt an diesem Lernprozess beteiligen. Es sind nicht mehr nur Instinkte, wie der Wunsch nach Belohnung, und äussere Umstände, die uns vorwärts treiben.

Aus der extrinsischen Motivation, dem externen Gesetz auf Steintafeln, und intrinsischer intuitiver und triebgesteuerter Motivation wird Entscheidung, Planung, Wissbegier und Neugier.

Obwohl wir schon immer an unserer Entwicklung mitgearbeitet haben, also nicht nur das Produkt unserer Umwelt sind, und obwohl unsere Umwelt schon immer prägend an unserer Entwicklung mitgearbeitet hat, wir also nicht nur unsere Welt erschaffen, werden wir zu diesem Zeitpunkt ein emanzipiertes Gegenüber für den externen Gott und den in uns lebenden Geist und beteiligen uns an unserer eigenen Entwicklung.

Bis der Zeitpunkt gekommen ist, an dem wir uns bewusst werden, dass unser Ursprung in Gott liegt. Dann erkennen wir den Plan, sein liebevolles Werben um uns, seine Investition in uns als Vater.

In dem Moment erkennen wir, dass nichts uns je von ihm trennen konnte oder könnte. Es war nur in unserem Kopf.

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Kommentare

0 Antworten zu „Das Werden eines Sohnes Gottes“

  1. Avatar von Marianne
    Marianne

    „Ich war immer schon zuhause. Ich habe es nie verloren und werde es nie verlieren.“. So könnte ich ein wichtiges Fazit dieses Artikels nennen. Zuhause sein: Ursprung aller Geborgenheit und Sicherheit. Zuhause kann mir niemand etwas antun, zuhause kann ich sein, wie ich bin, ungeschminkt, in dem Alter, in dem ich mich gerade befinde. Denn tief in mir ist das Bewusstsein dafür verankert. Es ist abrufbar, gerade dann, wenn ich mich in der irdischen Gegenwart verunsichert, allein, verängstigt, fühle. Dieses Zuhause lebt davon, dass derjenige, der es für mich offen hält, immer dort anwesend ist und sich freut, wenn ich komme: Er, mein geliebter Vater. Habe ich ihn schon lange nicht mehr aufgesucht? Komme ich nur, wenn ich ihn dringend brauche, weil ich mich in der Welt immer wieder mal unbefriedigt erfahre? Es kann sein.
    Durch deinen Artikel, lieber Ralph, habe ich gemerkt, dass mein Vater mich rufen könnte, wieder näher mit ihm in Beziehung, ins Gespräch einzulassen. Die Grundlage ist ja bei mir vorhanden, liegt aber zum Teil wie eine Versicherungspolice im Schrank. Ich habe mich gefragt, was denn der Beweggrund meines Vaters sein könnte, als Vater mehr mit mir, seiner Tochter, ins Gespräch kommen zu wollen. Denn ich bin ja bei ihm, er ist für mich grösser als alle, wie Jesus es sagt, ich fühle meinen Ursprung in ihm. Ich kam auf einen Gedanken, der mir möglicherweise die Richtung zeigt: Wie immer geht es um Wachsen. Weitergehen als bis zu dieser Grundlage der Sicherheit, der Zuflucht. Auch Reste des etwas leisten und genügen wollens, ablegen. Mein Vater möchte etwas ganz Anderes: Er möchte mit mir Dinge besprechen, Dinge, die ihm am Herzen liegen. Dinge, die einen weiteren Horizont als mein persönliches Leben betreffen. Er sucht das Gespräch in der Ruhe, er zieht mich zu sich als sein Gegenüber. Ich darf ihm reifere Tochter sein, ohne Angst vor Fehlern. Er, mein Vater, respektiert mich als von ihm so gewollte und geschaffene Tochter, die ich bin. Genau in meinem Profil, das er ja in mich zur Entfaltung hineingelegt hat. Darüber kann und soll ich ganz zur Ruhe kommen. Denn erst in dieser Ruhe bin ich ganz bereit für reife Gespräche. Ich merke beim Schreiben, dass es genau das ist, was ich mir eigentlich auch wünsche: Mit dem Vater in Ruhe sprechen, von ihm hineingeführt zu werden, in das, was er mit mir teilen will.
    Erwartung erwacht in mir, ruhige, besonnene und vertrauende Liebe.

  2. Avatar von Marianne
    Marianne

    Ein erstes Fazit vom Gespräch mit meinem himmlischen Vater: Entgegen meiner Vorstellung bleibt er im Moment nahe bei mir, Er überprüft meine Haltung bestimmten Menschen gegenüber, Menschen, die mir zu schaffen machen, die ich als Feinde betrachten könnte. Ich bin mir schon länger bewusst, dass ich in der Liebe zu ihnen nicht den Worten Jesu folge, es nicht von Herzen, das heisst, mit bedingungsloser Annahme tun kann. Jetzt gibt es Gelegenheit, Zeit der Änderung. Die Bejahung, dass alle Menschen Gott als Vater haben, darum Sohn oder Tochter sind, bringt mich zu diesem Punkt des Umdenkens. Die Folge einer inneren Umkehr von Aufregung zu Gelassenheit einer Nachbarin gegenüber , brachte heute ein überraschendes, fast sofortiges Resultat: Das Erkennen einer Fehleinschätzung eines vermuteten Tatbestandes meinerseits und damit die Vermeidung eines möglichen Konflikts. Dafür bin ich meinem Vater dankbar. Und ich weiss, dass ihm dieser Punkt wichtig ist. Ich fragte dann auch, was diese Corona Zeit für mich persönlich bedeute. Ich glaube, dass der Vater sagt: es ist eine Vorbereitungszeit für das Danach. Haltungen von Ruhe, Gelassenheit, Annahme, müssen dann vorhanden sein, eingepflanzt. Dazu kam mir Daniel Koch vom BAG in den Sinn: Die Ruhe und Sachlichkeit, in der er seine Ausführungen vorträgt, hat er durch Erleben vieler Krisenherde erworben, die Menschlichkeit dabei nicht verloren. Ruhe statt Aufregung : Zeit zum Üben.