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Das Wort

Lesedauer 4 Minuten

Zum Anfang zurückzukehren bedeutet, das Wort bereits dort zu finden; von Angesicht zu Angesicht mit Gott. Das Wort ist „Ich bin“; Gottes Beredsamkeit hallt wider und schliesst sich in ihm. Das Wort ist gleich Gott. Joh 1:1

Ein Wort setzt einen Sprecher und einen Empfänger voraus. Das Wort wird nicht gehört, wenn es keinen Empfänger gibt. Das Wort ist also Ausdruck einer Beziehung und erst möglich, wenn drei existieren: der Sprecher, der Empfänger, und das Wort selbst.

Eine wunderbare Art, die Dreieinigkeit auszudrücken.

Die Bibel sagt uns, dass Gottes Wort nicht leer zu ihm zurückkommt. Ein Wort, das keinen Empfänger hat, verhallt und kommt leer zurück.

Interessanterweise spricht der Vers davon, dass das Wort Gott sei. Es scheint, als ob die Beziehung, das Wort, der Sache vorangeht.

Erst das Wort gibt der Sache die Funktion als Sprecher oder Hörer. Denn das Wort in Beziehung bringt Leben. Es bildet Geist.

Andererseits bedeutet das Wort logos so viel mehr als Wort. Es bedeutet Wort, Rede, Sinn, geistiges Vermögen, Vernunft, Weltsinn, Gesamtsinn der Wirklichkeit, Definition, Argument, Rechnung, Lehrsatz, philosophisches oder religiöses Prinzip, Sache (von der geredet wird), Rücksicht, Wertschätzung, Verhältnis, die Erlaubnis zu reden.

Genauso das hebräische Wort davar, welches wahrscheinlich dem jüdischen Schreiber des Johannesevangeliums vorschwebte: Wort, Rede, Sache, Ereignis, Thema (wovon die Rede ist), rechtliche Angelegenheit (die besprochen wird), Pensum (das verlangt wird).

Das aramäische memra hat eine ähnliche Konnotation und wird von den Rabbinern für Gottes Selbstausdruck verwendet.

Arche kann auch anders gedeutet werden als zeitlich, nämlich prinzipiell, hierarchisch oder herkunftsmässig. Wenn wir das tun, bedeutet der Vers in etwa dies:

Im Ursprung von allem, als oberstes Prinzip finden wir die gesprochene Vernunft, die vernünftige Rede, den Gesamtsinn der Wirklichkeit als Gottes Selbstausdruck von Angesicht zu Angesicht mit Gott. Ja, das ist Gott.

Das Wort ist der Ursprung, der Sinn und mit ihm Geist, ja, es ist Geist. Und es wird zur Sache, manifestiert sich als Ereignis.

Wie ich bereits an anderer Stelle gesagt habe, ist ein Name im hebräischen Denken eine Funktion, eine Berufung. Das Wort also definiert das Ding. So nennt sich Gott selbst der „ich bin“. Da ist kein Anfang, kein Werden. Und doch Entwicklung, denn er nennt sich auch das Leben.

Das Wort kreiert.

Der Empfänger eines Wortes wird durch das Wort verändert. Das sehen wir an uns selbst sehr deutlich. Wie prägend sind die Dinge, welche andere über uns aussprechen. Wie definierend erst die Dinge, die wir selber über uns aussprechen.

Wenn das Wort eine Beziehung ist, dann ist die Beziehung zwischen Gott und Mensch ein Zwiegespräch. Wenn es aber ein Dialog ist, dann werden beide Parteien dieser Beziehung durch das ausgetauschte Wort definiert, kreiert, verändert.

So ist der Kosmos also ein endloser Prozess, in dem Bewusstsein sich seiner selbst bewusst wird, in dem Gott sich selber kennen lernt.

Wenn Gott durch seinen Dialog mit uns nicht verändert würde, wären wir kein Gegenüber für ihn, sondern ein Experiment, ein Haustier. Das wäre sogar unfair einem Haustier gegenüber, denn dadurch, dass wir uns auf das Tier einlassen, verändern wir uns.

Gott selber sagt, dass er sich nicht verändert. Das scheint aber nur oberflächlich ein Widerspruch zu sein, denn er lässt sich sehr wohl von uns verändern. So sagt uns die Bibel mehrfach, dass Gott seine Meinung änderte aufgrund eines Gesprächs.

Es wird gesagt, dass wir die Augen sind, durch die das Universum sieht. Auch sind wir davon überzeugt, dass wir die Hände sind, durch die Gott wirkt. Sind wir auch die Wesen, durch die er wird?

Gott wird erst durch uns Abraham, der Vater vieler Völker, als ein Beispiel.

Erst durch die Beziehung entstehen Dinge mit ihren Charakteristika.

Ich möchte zurückkommen auf meinen Übersetzungsversuch:

Im Ursprung von allem, als oberstes Prinzip finden wir die gesprochene Vernunft, die vernünftige Rede, den Gesamtsinn der Wirklichkeit als Gottes Selbstausdruck von Angesicht zu Angesicht mit Gott. Ja, das ist Gott.

Gottes Selbstausdruck von Angesicht zu Angesicht mit Gott.

In der letzten Zeit habe ich des öfteren über eine Bedeutung der Schöpfungsgeschichte geschrieben, welche zwei Prinzipien einander gegenüberstellt: die Himmel und die Erde.

Wir haben gesehen, dass diese auf die Prinzipien des Lebens und andererseits des Empfangens und der Reflexion hinweisen.

Die beiden Prinzipien werden verkörpert durch Gott als den ewigen Geber und Adam als den Empfänger, der reflektiert und spiegelt.

Adam hat sich dieser Aufgabe verweigert und das egoistische Prinzip des Empfangen für sich selbst gewählt. Der letzte Adam aber kam, um die Reflexion wieder herzustellen, um Spiegel oder Leinwand zu sein.

Wie wir im Bild der Leinwand wunderbar sehen, bringt erst die Reflexion das Bild zum Vorschein, welches im Lichtstrahl verborgen ist, das vom Beamer ausgesandt wird.

Durch Jesus wurde die Menschheit in ihrer Funktion wieder hergestellt. Und mit der Menschheit die Schöpfung.

Was ist die Menschheit demnach gemäss dem Vers, den wir heute besprechen?

Jesus als Menschensohn, oder moderner, Jesus als Mensch, und daher die Menschheit und die ganze Schöpfung ist der Selbstausdruck Gottes, der Gesamtsinn der Schöpfung, das Spiegelbild, in dem sich Gott erkennt.

Und wir sind zurück bei der paradiesischen Aussage: Er schuf den Menschen in seinem Ebenbild.

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Kommentare

0 Antworten zu „Das Wort“

  1. Avatar von Marianne
    Marianne

    Die einleitenden Verse des Johannesevangeliums gehören zu meinen Lieblingsversen in der Bibel. Warum, kann ich nicht genau erklären. Aber es hat unbedingt mit dem Wort zu tun, das mir hier so kraftvoll entgegenkommt. Deinen Artikel musste ich zweimal durchlesen, um zu erkennen, was du meinst. Doch ich kann damit übereinstimmen. Weshalb gelingt mir das? Deine ganze Darstellung hat in mir die Erinnerung an die jüdische Überlieferung geweckt, die F. Weinreb in einem seiner Bücher erzählt. Darin geht es um die Vorgeschichte und den Anfang der Schöpfung. Ich versuche, hier in etwa zu skizzieren, wie mir das Gesagte hängen geblieben ist.
    Gott hat den Wunsch, eine Schöpfung wie die unsere, mit dem Menschen als seinem Ebenbild zu schaffen. Doch er möchte sich darüber besprechen. Elohim, als die männliche Seite Gottes trägt diese Sehnsucht in sich. Doch mit wem soll er sich besprechen? Elohim ruft deshalb. Doch da ist niemand, keine Antwort. Er ruft weiter und weiter. Da antwortet ihm seine eigene, weibliche Seite, die wir im Hebräischen meist mit Adonai aussprechen. Geschrieben ist es das Tetragramm: jod-he-waw-he, so nicht gesprochen von den Juden. Mit ihr bespricht sich Elohim und es entstehen Gründe für und gegen die Schöpfung. Ein Grund gegen die Erschaffung des Menschen ist die Überzeugung, dass der Mensch aus der so sehr verdichteten Welt der Materie die Beziehung zu Gott, seinem Ursprung, nicht mehr herstellen kann. Das Risiko ist also zu gross ist, ihn zu schaffen, da er höchst wahrscheinlich verloren gehen wird. Auch die Engel sind dieser Ansicht und raten ab. Doch Elohim möchte nicht aufgeben, er hat tief in sich dieses Verlangen. Endlich erbarmt sich seine weibliche Seite, Adonai, und sagt: Gut, dann werde ich mit dem Menschen mitgehen und dafür schauen, dass er nicht verloren geht. Jetzt erst ist der Plan, der schon steht, zur Realisierung bereit. Diese Aussagen werden durch die zwei Schöpfungsgeschichten gezeigt. In der ersten, in Gen.1 spricht Elohim und seine Gedanken sind erst mal wie ein Plan niedergelegt..In der zweiten Schöpfungsgeschichte, Gen. 2 findet erst die reale Erschaffung statt. Hier wird nun im Bibeltext der Name Elohim stets mit dem Namen Adonai, dem Tetragramm, verbunden, Elohim erscheint also nicht mehr allein.Die Begleitung des Menschen durch die Bibel sehen wir dann später meistens nur noch mit diesem weiblichen Namen gekennzeichnet.
    Gott als der Männliche hat sich durch das Wort (den Geist.), so zuerst mit seiner weiblichen Seite eins gemacht. Das heisst, sie wurde willig, das Wort zu empfangen und so die Schöpfung zu reflektieren. sie wurde willig, den Menschen, der als ersehntes Gegenüber von Gott geschaffen wurde, auf seinem Weg durch Höhen und Tiefen, durch Freud und Leid, zu begleiten, um ihn am Ende seines Lebens wieder zu Gott, seinem Ursprung zurück zu bringen.
    Mir gefällt diese Überlieferung sehr gut, erzählt sie doch von der Sehnsucht Gottes, von seinem Wunsch nach Beziehung, von seinem sich nicht an sich selber Genügen lassen. Wir Menschen dürfen seine höchste Freude sein. Was für ein Privileg, was für ein Gott, was für ein Vater und welch eine Mutter! Der eine Gott, der Leben und Liebe schafft und ist und täglich Neues schafft, sich einlässt auf uns, sich in der Beziehung selbst erfährt!Welch schöner Gedanke von dir Ralph!