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Taufe zur Busse

Lesedauer 5 Minuten

»Jetzt ist die Zeit gekommen«, verkündete er. »Das Reich Gottes ist nahe! Kehrt euch ab von euren Sünden und glaubt an diese gute Botschaft!«

Markus 1:15

Johannes der Täufer kommt mit ungefähr 30 Jahren aus der Wüste zum Jordan und beginnt seinen Dienst. Er ist die Stimme aus der Wüste, die Jesaja angekündigt hatte. Seine Botschaft:

Er forderte Menschen auf, umzukehren und sich taufen zu lassen, um Vergebung der Sünden zu empfangen.

Markus 1:4

Die selbe Botschaft? So sieht es fast aus. Doch schauen wir etwas genauer hin.

Über Johannes steht also Folgendes in der Bibel: er predigte die Taufe der Busse zur Vergebung der Sünde.

Das Wort, welches mit Busse übersetzt wird, ist metanoia. Es besteht aus meta: in der Mitte, im Zentrum, als Fundament, als Grundlage, und noeo von nous: Denken, Verstand, Bewusstsein, intelligentes Verstehen.

Warum wird das mit Busse übersetzt? Wegen der folgenden Worte: zur Vergebung der Sünde.

Eigentlich steht hier in etwa dies: er predigte eine Taufe des Umdenkens zur Vergebung der Sünde. Anders gesagt: die Taufe ist die äussere Handlung, die die Vergebung der Sünde zum zentralen Gedanken hat und macht.

In der Vulgata wurde hier das Wort poenitentia verwendet. Im Englischen wurde daraus repentance. Repentance und poenitentia werden mit Reue, Busse übersetzt.

Allerdings liegt beiden Worten die lateinische Wurzel poena zu Grunde, die Strafe. Repentance fügt dem noch die Vorsilbe re- hinzu. Somit wird aus dem Wort Busse durch wiederholte Bestrafung. Und schon wissen wir, woher die mittelalterliche Praxis des Ablasshandels und die Beichte herkommen.

Diese Praxis entspricht wohl dem Denken jener Zeit. Erinnern wir uns, dass die Opfer des alten Testaments keine Vergebung brachten, sondern einen Aufschub der Bestrafung.

Noch heute denken wir oft ähnlich: wir tun wiederholt Busse für die Sünden unserer Väter. Zum Beispiel beten wir an Stätten historischer Grausamkeiten immer und immer wieder und bitten um Vergebung.

Wir wissen heute, dass sich die Essener wohl täglich tauften zur Vergebung ihrer Sünden, oder eben, zur Verschiebung der Bestrafung.

Doch dann kommt Jesus.

Noch einmal: wenn wir den Vers lesen, der die Aussage von Jesus weitergibt, scheint dasselbe dazustehen.

In unserem Kopf ist immer noch die Verbindung von Busse und Vergebung der Sünde.

Doch wenn wir das eben gelernte anwenden, wird doch etwas ganz anderes daraus.

Noch einmal das Original in einer anderen Übersetzung:

[Jesus] sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.

Markus 1:15

Jetzt heisst aber metanoia gar nicht Busse tun. Die genauere Übersetzung wäre hier:

Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Macht das zum Mittelpunkt Eures Denkens, glaubt dieser frohen Botschaft.

Die Botschaft von Jesus verändert sich augenblicklich, und zwar drastisch.

Die Aussage erinnert jetzt viel mehr an Matthäus 6:25-33, speziell dem letzten Vers:

Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden.

Matthäus 6:33

Die Botschaft hat nicht mehr Busse, Sünde und Vergebung im Zentrum, sondern das Reich Gottes.

Stellen wir das Reich Gottes ins Zentrum unseres Denkens, und die Tatsache, dass wir gerecht gesprochen sind, also nichts mehr erarbeiten müssen. Dann wird uns alles andere zufallen.

Paulus verwendet Gerechtigkeit als abgeschlossene Tatsache, die wir erhalten haben. Er spricht nur zwei mal über den Akt der Gerechtsprechung, wenn er über das spricht, was Jesus für uns am Kreuz getan hat. (Römer 4:25, 5:18)

Es ist vollbracht.

Vom Königreich selbst sagt Jesus, dass es nahe sei, ja es sei schon da.

Es geht also wirklich nur noch um den Akt, dies zum Zentrum unseres Denkens zu machen. Das ist die frohe Botschaft.

Was für ein Sprung. Welch ein Wechsel innerhalb von wenigen Versen.

Johannes der Täufer fordert die Menschen auf, sich immer wieder taufen zu lassen, damit ihre Sünden vergeben bzw. die Bestrafung verschoben werde.

Jesus spricht schon gar nicht mehr über Sünden in seiner ersten Botschaft, sondern über das Reich Gottes.

Es waren die Übersetzer, schon von der Vulgata an, die den Sprung nicht mitmachen konnten. Sie verbanden die beiden Aussagen zu einer.

Doch schon Paulus hat die Epheser gefragt, welche Taufe sie denn erhalten hätten: diejenige des Johannes oder des Geistes?

Übrigens spricht Paulus auch von der Taufe des veränderten Denkens, metanoia, nicht der Busse, wie wir sie heute verstehen.

In seinem Tod hat Jesus sein Menschsein vollendet. Er hat ein Leben gelebt und sogar sein Blut vergossen für den Auftrag, von Gott zu empfangen und ihn zu reflektieren.

Wenn es nicht um Sünde und Busse ging, dann auch nicht um Gehorsam, richtig und falsch. Es ging darum, richtig Mensch zu sein.

Der Mensch wurde geschaffen, um vom ewigen Geber zu empfangen und ihn zu reflektieren, sichtbar zu machen.

Jesus hat das bis zum letzten Atemzug gemacht. Er hat als prototypischer Mensch gelebt, als Vorlage, als Beispiel. Er ist seiner Bestimmung, Mensch zu sein, treu geblieben bis in den Tod.

So hat er das Menschsein für uns zurückerobert. Und er hat nichts zurückgehalten. Es ist vollbracht.

Und was wurde dann aus Jesus? Ihm wurde gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. Er wurde König im Königreich. Er ist der König der Könige. Er ist der Erstgeborene. Und wir sind hineingeboren in diese Gemeinschaft der Erstgeborenen.

Das heisst, es gibt keine Hierarchie zwischen uns. Wir sind alles Erstgeborene. Wir sind alles Könige. Er ist der Erste – zeitlich, nicht hierarchisch. Er hat das Königtum erkämpft, erlitten, „erlebt“. Für uns alle.

Jesus betet, dass wir eins seien mit dem Vater wie er eins ist mit dem Vater.

Als Erstgeborene, ohne Zweitgeborene, erben wir alles.

Die Konsequenz: es ist unser Königreich, von dem wir hier sprechen. Nicht im egoistischen Sinn, sondern im gemeinschaftlichen.

Was also ist die Botschaft, die Jesus an den Anfang seines Dienstes stellt?

Die Zeit ist da, unser Königreich ist nah. Macht das zum Zentrum Eures Denkens und Eurer Botschaft.

Und wir stellen die Sünde ins Zentrum, weil wir an Johannes dem Täufer und dem alten Testament festhalten. Krampfhaft.

Jesus ist auferstanden, er hat alle Autorität erhalten.

Unsere Botschaft darf also sein:

Unser Königreich ist da! Lasst uns das endlich verstehen. Machen wir das zum Zentrum unseres Denkens und unserer Botschaft.

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Kommentare

0 Antworten zu „Taufe zur Busse“

  1. Avatar von Marianne
    Marianne

    Als Christ nicht mehr die Sünden im Zentrum des Denkens zu haben, sondern das Reich Gottes, das ist bestimmt der richtige Ausgangspunkt. Denn dafür, dass wir ein anderes Denken über uns, unsere Bestimmung und unseren Auftrag in der Welt einnehmen können, dafür ist Jesus als Sohn Gottes gekommen. Er hat uns erlöst von dem Gesetzt der Sünde und des Todes. Als seine Brüder und Schwestern stehen wir nicht mehr unter dem Zwang, naturgesetzlich handeln zu müssen. Frei von Auge um Auge, Zahn um Zahn. Darum darf unsere Blickrichtung eine andere werden. Ja, Gott braucht sogar unbedingt solche Söhne und Töchter auf Erden, die sein Reich, das nicht von dieser Welt ist, bauen wollen und dieser Richtung treu bleiben. Ich bin auch einverstanden damit, dass wir nicht immer wieder zurückschauen müssen und zu wiederholten Malen um Vergebung bitten für Dinge, die möglicherweise nicht einmal in unserer Verantwortung sind. Auch als einzelner Mensch mag ich es nicht,wenn mich eine andere Person immer wieder um Vergebung in derselben Sache bittet. Das hindert uns bloss daran, wach und aufmerksam unser Leben zu gestalten. Lernen aus vergangenen Fehlern, ja, das ist sogar wichtig. Überprüfung der eigenen Gesinnung, der Beziehungen und der Werke, die ich tue, das sind wesentliche Bestandteile für mich als Arbeiterin im Weinberg Gottes. Denn mit Weisheit und Umsicht, mit Einsicht und Verständnis sollen wir bauen. Wer sich selber nicht hinterfragt, sein Ziel und seine Beweggründe des Handelns nicht im Lichte Gottes sieht, betrügt nicht nur sich selber sondern lebt mit grosser Wahrscheinlichkeit auch am eigentlichen Auftrag vorbei. Darum hat Gott nach meiner Ansicht auch Freude an der Wahrheit im Innern, denn ohne sie läuft vieles ins Leere und verpufft. Sinneswandel, im Sinne Jesu, Gedankenüberprüfung, in meinen Augen eine lebenslange Aufgabe.
    Paulus schreibt an die Römer: das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit, Freude und Frieden im Heiligen Geist. Dises Dreierpaket gehört zusammen: die Abkehr vom früheren Lebenswandel und die Hinkehr zu Jesus als meinem Retter und Erlöser hat mir das Geschenk der Gerechtigkeit Gottes gebracht. Freude und Friede sind die Früchte, die daraus hervorgehen. Wenn mir ein Teil dieses Trios über längere Zeit verloren geht, muss ich mich fragen, was mit mir los ist. Ehrlich, damit ich wieder in die Balance komme und lebendig und tüchtig bleibe am Leib Christi . Das heisst, meine mir durch den Heiligen Geist geschenkte Identität und Gaben wieder zu Gottes Ehre einbringen kann.