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Lehrer im Reich Gottes

Lesedauer 6 Minuten

Er aber sprach zu ihnen: Darum ist jeder Schriftgelehrte, der im Reich der Himmel unterrichtet ist, gleich einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt.

Matthäus 13:52

Jesus hat wenig über Lehrer ausgesagt. Wir beziehen das Meiste unseres Wissens von Paulus und aus unserer Erfahrung.

Einer der Verse, in dem Jesus über Lehrer spricht, ist der oben genannte. Er hat verschiedene Gleichnisse erzählt und danach seine Jünger gefragt, ob sie diese verstanden hätten. Als die Jünger dies bejahten, sagte Jesus in etwa:

Das ist gut. Ihr habt also neue Erkenntnis über das Reich Gottes erhalten. Genau so ist es mit den Lehrern des Reiches Gottes. Sie werden immer wieder aus ihrem Schatz Neues und Altes aufzeigen und hervorbringen.

Was ist der Schatz eines Lehrers? Das ergibt sich aus dem Wort, welches Jesus verwendete: Schriftgelehrte. Es ist das Wort Gottes.

Nun wissen wir, dass im alten Testament, ab einem gewissen Zeitpunkt, dies die Schriften waren. Zuallererst die Steintafeln mit den 10 Geboten. Später, im und nach dem Exil, haben die Schriftgelehrten langsam das zusammengestellt, was wir heute als die hebräische Bibel und unser altes Testament kennen. Die Kanonisierung fand dann etwa 1000 nach Christus bei den Masureten ihren Abschluss.

Johannes aber macht uns klar, dass das Wort Gottes natürlich wesentlich mehr ist als die alten Schriften, ja sogar als die Bibel. Gott ist das Wort, und in Jesus wurde das Wort Mensch.

Insofern ist der Schatz eines Lehrers Gott selbst und alles, was dazu gehört. Man könnte auch sagen: jede Äusserung, jeder Gedanke Gottes. Und da bleibt ja dann nicht viel anderes übrig.

Gottes Gnade ist jeden Tag neu. Die Erkenntnis nimmt zu. Wir gehen von Herrlichkeit zu Herrlichkeit. Gott offenbart sich auch heute noch.

Und diesem Schatz entnehmen Lehrer Neues und Altes.

Dieser Vers wurde auf verschiedene Arten interpretiert:

  • Ein Lehrer des Königreiches entnimmt seine Lehre nach Matthew Henry dem alten und neuen Testament. Nur gab es das neue Testament damals noch nicht. Diese Auslegung ist demnach nicht sehr wahrscheinlich, da sie für die Anwesenden nicht zu verstehen gewesen wäre.
  • Ein Lehrer des Königreichs verpackt die wohlbekannte Lehre immer wieder neu, wie Jamieson den Vers auslegt.
  • Ein Lehrer des Königreichs erhält von Gott alte und neue Offenbarung, weil Gott sich uns immer tiefer mitteilt.

Das Wort, welches für „neu“ verwendet wird, heisst qualitativ neu, ganz neu, neu hergestellt, nicht erneuert. Dafür gibt es ein anderes Wort, welches gezielt in der Bibel Anwendung findet. Daher empfinde ich die Idee der neuen Verpackung und Illustration auch eher als unwahrscheinlich.

Jesus sagt uns, dass er in der Zukunft Propheten, Weise und Schriftgelehrte senden wird:

Darum siehe, ich sende Propheten und Weise und Schriftgelehrte zu euch; und [einige] von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und [einige] von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geisseln und werdet [sie] verfolgen von Stadt zu Stadt.

Matthäus 23:34

Jesus spricht hier zu den Pharisäern und den Schriftgelehrten seiner Zeit. Ihnen wird er seine Propheten, Weisen und Schriftgelehrten schicken, also der religiösen Leiterschaft der Zeit.

Er sagt hier nicht, dass er der Welt jemanden schicken wird, sondern der Kirche. Jesus hat die Pharisäer und Schriftgelehrten seiner Zeit dafür verurteilt, dass sie die Gemeinde leiteten, aber die Zeichen der Zeit nicht verstanden.

Was taten die Schriftgelehrten in Jesu Zeit? Sie legten die Schriften gemäss der Tradition aus. Die Pharisäer glaubten, dass, wenn sie die Schriften wörtlich, gesetzestreu, gemäss der Tradition und dem allgemeinen fundamentalistischen Verständnis ausleben würden, dass Gott durch ihren heiligen Lebenswandel dazu gebracht würde, zu handeln.

Jesus verurteilte also die Fundamentalisten der Zeit, und damit jeder Zeit, dass sie seine Boten und Lehrer umbringen und davonjagen würden.

Wenn nun die Aufgabe der Lehrer wäre, die Tradition fortzuschreiben, müsste sie niemand verfolgen. Also werden sie unbequem und fortschrittlich sein. Oder werden sie dazu aufrufen, zurück zu den alten Standards zu gehen?

Genau dieser Aufruf zu den alten Standards aber war die Botschaft der Pharisäer, und genau dies ist die Botschaft der Gemeinde heute. In der Gemeinde wird heute niemand verfolgt, der die alte Heiligkeit und die Befolgung der Tradition fordert. Die Welt macht das, aber nicht die Gemeinde, und speziell nicht deren Leiter. Verfolgt werden in der Gemeinde diejenigen, die das Neue predigen. Die anderen werden abgenickt, bekräftigt, und dann geflissentlich ignoriert.

Paulus nennt das Wort Lehrer sehr selten. Er nennt sich in den Timotheusbriefen einen Lehrer der Nationen, sieht sich selbst also als Lehrer und Apostel.

Er verurteilt die Juden unter dem Gesetz als Lehrer der Unmündigen, die sich selbst nicht lehren. Sich selber nicht ständig weiterzubilden ist also ein Versäumnis für einen Lehrer und Leiter:

Und du traust dir zu, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in der Finsternis sind, ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen, der den Inbegriff der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz hat: Nun also, du lehrst andere, dich selbst aber lehrst du nicht?

Römer 2:19-21

Natürlich hat diese Pflicht, sich weiterzubilden, mit dem neuen Testament kaum seine Gültigkeit verloren, auch wenn hier direkt die Juden unter dem Gesetz angesprochen werden.

Die wichtigsten Stellen von Paulus zum Thema verbinden gewisse Ämter miteinander. So nennt Paulus Apostel, Propheten und Lehrer in 1Ko 12:28, zusammen mit einigen Gaben des Geistes und der Gabe der Leiterschaft.

Hier fällt zuerst einmal auf, dass keine der drei ersten Ämter mit der Gabe der Leiterschaft zusammenfallen. Natürlich kann ein jeder zusätzlich die Gabe der Leiterschaft haben, aber ein Apostel oder ein Lehrer ist nicht automatisch ein Leiter.

Zweitens sind die drei Ämter miteinander verwoben. Hier fällt auf, dass der Evangelist und der Pastor fehlen. Das rückt den Lehrer in eine grössere Nähe mit den beiden fundamentalen Gaben nach Epheser 2:20.

Der Prophet erhält Offenbarung vom Himmel und weiss damit wenig anzufangen. Der Lehrer erklärt die Offenbarung, und der Apostel setzt sie um. Oder der Apostel erhält Weisung vom Himmel, der Lehrer erklärt die Weisung, und der Prophet korrigiert und ermutigt.

Apostel und Propheten sind das Fundament der Gemeinde, und der Lehrer das Bindeglied zwischen Himmel und Erde.

Wäre die Funktion darauf beschränkt, die Tradition zu lehren und die Prophetien und apostolischen Weisungen in der Tradition einzubetten, dann würden sie nicht verfolgt.

Unser traditionelles Verständnis von Lehrern, geprägt durch die Schule, hat dazu geführt, dass wir in Eph 4:11 den Lehrer und den Pastoren stark gleichgesetzt, sogar teilweise als ein und dasselbe Amt definiert haben. Das Griechische lässt das als Interpretation zu, aber es ist nicht zwingend.

Unsere natürlichen Lehrer bis zur Oberstufe und der Berufsschule sind Pastoren. Sie vermitteln Stoff und kümmern sich um den Einzelnen.

Erst die Lehrer in den späten Jahren des Gymnasiums und an der Universität sind Lehrer. Ihre Aufgabe ist es, den Studenten das Lernen zu lehren, und sie zu Forschern zu machen, zu Suchenden. Schliesslich verspricht Jesus, dass, wer sucht, findet und nicht dass, wer übt, weiss.

Alle fünf Ämter sind dazu gegeben, die Menschen in die Reife zu führen, nicht ihnen nur die Basis zu vermitteln. Dabei lehrt der Apostel sie, Dinge mit Autorität umzusetzen. Der Prophet lehrt sie, die Stimme Gottes zu hören. Der Evangelist, die frohe Botschaft zu verbreiten. Der Lehrer, das Wort auszulegen und darin zu graben. Und der Pastor, füreinander da zu sein.

All dies tun sie unter anderem durch das Beispiel, durch Vorbildfunktion.

In Antiochien waren es die Propheten und Lehrer, die zusammenkamen und aus deren Mitte Paulus und Barnabas berufen wurden. Wir lesen da hinein, dass diese Propheten und Lehrer die Gemeinde leiteten, was aus dem Text nicht hervorgeht.

Der Hebräerbrief rügt die Gemeinde als Ganzes, dass sie noch keine Lehrer seien.

Eigentlich ist das Ziel eine Gemeinde aus Menschen, die das Wort selber erforschen, die Beziehung zu Gott selber pflegen, ihre Kämpfe selber kämpfen, Menschen zu Gott führen und Gottes Stimme hören können. Zusammen. Denn uns allen ist der Heilige Geist gegeben.

Der 2. Timotheusbrief warnt vor der Zeit, wo sich die Gemeinde die Lehrer aussucht, die sie will.

Welche Lehrer wären das? Könnte es sein, dass wir uns Lehrer aussuchen, die uns in dem bestätigen, was wir in der Gemeinde zu hören erwarten? Die unsere Traditionen abnicken, unser Verständnis bekräftigen, und das Alte höchstens ein bisschen mit neuen Illustrationen verhübscht weitergeben?

Ansonsten würden sie ja verfolgt.

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Kommentare

0 Antworten zu „Lehrer im Reich Gottes“

  1. Avatar von Marianne
    Marianne

    Beim Nachdenken über deinen Artikel kommt mir der Schlüssel in den Sinn. Schlüssel kommt von schliessen. Auf Hebräisch heisst der Schlüssel Mafteach und kommt von öffnen. Wir haben also einen Schliesser und einen Öffner. Es ist unschwer, zu erkennen, dass der Schlüssel beides tut, ja tun muss. Ich habe mich kurz gefragt, warum wir im Deutschen das Schliessen bevorzugen, die Hebräer jedoch das Öffnen. Die Geschichte der Juden in den letzten 2000 Jahren ist eine Geschichte der Ausgrenzung, der Verfolgung. Diese Geschichte brachte und bringt sie dazu, sich immer wieder nach einem Ausweg, einer Öffnung zum Leben hin, auszustrecken. In unserer westlichen Kultur schliessen wir uns und was wir erreicht haben, immer noch lieber ab. Dieser Gedanke nur nebenbei.
    Hier in Mt.23 rügt Jesus die Pharisäer und Schriftgelehrten dafür, dass sie durch ihre Forderungen an das Volk und ihr eigenes, gegenteiliges Verhalten den Zugang zum Reich Gottes verschliessen und selber auch nicht hineingehen. Darum wird Jesus andere Schriftgelehrte, Propheten und Weise zu ihnen senden; solche, die Gott wirklich ehren und Richtiges verkünden. Solche Schriftgelehrte, deren Schatz Gott selber ist und alles, was dazu gehört. Das scheint mir ein ganz wichtiges Merkmal eines Lehrers, eines Boten Gottes zu sein. Gott, und was er von ihm durch sein Wort, durch seinen Heilgen Geist offenbart bekommt, das ist das, wovon seine Seele lebt, woran sein Geist sich freut. Er sucht Gott selbst in seinem Wort, er sucht das Leben und nicht den Buchstaben. Ja, bestimmt, es ist wichtig, Gottes Wort zunächst als geschriebenes Wort zu kennen, Wie sonst könnte ich als Christ eine Schau und ein Fundament bekommen, die mir Sicherheit und Halt verleihen? Doch es kommt die Zeit, wo jeder verlangende Christ mehr Erkenntnis haben möchte, tiefer ins Wort hineingeführt werden will. Dann freut er er sich über Lehrer, die es vermögen, ihn dahin zu führen, ihm Türen zu öffnen. So lernt er , selber zu forschen und auch Schätze zu entdecken. Damit bleibt ihm die Freude am Wort Gottes, die Erwartung, dass es zu ihm spricht, erhalten. Denn immer wieder kann er Neues entdecken. Neu im Sinn von frisch, überraschend wie ein gefundenes Osterei.
    Dass die Lehrer, die einer festgefahrenen Leiterschaft Neues bringen wollen, nicht auf offene Türen stossen, ist leider zu erwarten. Dort, wo man sich etabliert hat, sich Stellung und Macht gesichert hat, dort möchte man nicht gestört werden. Ich denke, es geht immer wieder um Macht, die man behalten möchte. Macht, Respekt und Ansehen im Volk, in der Gemeinde. Da kann auch viel Heuchelei dabei sein, wenn man von der Liebe zum Wort Gottes spricht. In solchen Gemeinden gelten Suchende, Neues Lehrende und Fragende als Störenfriede. Darum nimmt man den Schlüssel und nicht den Mafteach.
    Zum Schluss: Das hebräische Alphabet zeigt sogar in zwei Buchstaben dieses Offenstehen gegenüber dem Himmel, resp. das Verschliessen ihm gegenüber. Der geöffnete Buchstabe ist das He, das auch im Tetragramm zweimal dasteht. He ist ein altes Wort für Fenster. Der geschlossene Buchstabe ist das Chet, das Zaun bedeutet, Beide Buchstaben schreiben sich fast gleich, ja, können manchmal beim Lesen verwechselt werden. Die Form gleicht unserem n, Beim He hat es eine kleine Öffnung zwischen dem linken senkrechten Strich und dem Bogen. Beim Chet fehlt sie.
    Darum, Ralph: Behalte dein Fenster, so wie Daniel im Exil.