zealteam7

Coach ∧ Autor ∧ Bilderstürmer

König der Könige

Lesedauer 5 Minuten

Und er trägt an seinem Gewand und an seiner Hüfte den Namen geschrieben: »König der Könige und Herr der Herren«.

Offenbarung 19:16

Es gibt wenige Stellen, an denen der Titel „König aller Könige“ verwendet wird. Die drei im alten Testament sprechen über irdische Könige: Nebukadnezar und Artashasta.

Beide waren zu ihrer Zeit König über Könige, und zwar im hierarchischen Sinne. Sie beherrschten andere Königreiche.

Es ist aber nicht sicher, dass der Ausspruch so gemeint war. Wahrscheinlicher ist es, dass die Phrase im Sinne von „Du Vorbild für alle Könige“ gemeint war, als Ehrentitel, der sie weit über ihren Herrschaftsbereich hinweg lobte. So sollten Könige sein.

Im neuen Testament gibt es ebenfalls drei Stellen mit dem Titel, einmal in 1Ti 6:15-16, und dann in Offenbarung 17:14 und 19:16.

Im Timotheusbrief wird der Titel an Gott vergeben, den einzigen mit Unsterblichkeit, den noch kein Mensch gesehen hat.

In der Offenbarung geht der Titel an den siegreichen Jesus, das Lamm.

Doch was ist damit gemeint? Geht es hier um eine Hierarchie?

In der Offenbarung geht es bestimmt um eine Grössen- und Stärkenbezeugung. Die Offenbarung ist apokalyptische Literatur. Es geht darum, den Menschen Mut zu machen: im Moment werdet ihr verfolgt, aber haltet durch, am Schluss gewinnen wir.

Natürlich hat die Offenbarung noch andere Facetten und Aussagen. Der Titel aber wird verwendet, um absolut klar zu machen, wer die Macht hat.

Dasselbe ist wahr für Gott im Timotheusbrief. Die Aussage: es gibt keinen wie ihn, er hat alle Autorität.

Aber ist da noch mehr drin in dieser Aussage?

Die christliche Gemeinde ist grösstenteils traditionell in ihrer Weltanschauung. Ordnung und Hierarchie haben einen besonderen Stellenwert.

Die Bilder in der Bibel sind auf die Zeit zugeschnitten, in der sie geschrieben wurde. Es war eine Zeit der Könige, der Hierarchie, in der sich Ordnung gegen die Gesetze des Dschungels durchsetzen musste.

Wir übertragen dieses für die Zeit gedachte Bild des gütigen Herrschers auf die Weltordnung, die Gott schaffen möchte, und vergessen dabei, dass Gott gar keine Könige wollte.

Es widerspricht so vieles in der Bibel diesem hierarchischen Bild.

Gott hat uns geschaffen in seinem Ebenbild.

Gott hat uns für eine kleine Weile kleiner gemacht, als er selber ist.

Jesus kam als Erstgeborener, um uns in die Gemeinschaft der Erstgeborenen aufzunehmen.

Jesus betet, dass wir mit Gott eins seien, so wie er mit Gott eins sei.

Wir sind ein königlich-priesterliches Geschlecht.

Meint also Jesus, dass wir Könige sind, und er quasi der Kaiser über diese Könige?

Dann wären wir nicht wie er, sondern auf ewig etwas kleiner gemacht. Dann wären wir nicht sein Ebenbild, nicht seine Kinder, sondern seine Diener.

Jesus selbst aber hat gesagt, er nenne uns nicht mehr Diener, sondern Freunde. Unter Freunden gibt es keine Hierarchie der Macht. Das wäre eine ungesunde Freundschaft.

Unter Freunden gibt es natürliche und gabenorientierte Hierarchien. Der eine wird den Lead übernehmen im Fussball, der andere, wenn es um Computer geht – je nach Stärken, Talenten, Fähigkeiten.

Gott selber nennt uns seine Kinder, und die ganze Schöpfung sehnt sich darauf, dass wir reife erwachsene Söhne Gottes werden. Erwachsene Söhne stehen hierarchisch nicht mehr unter dem Vater, auch wenn sie ihm Ehre erweisen.

Wie also ist der Titel „König aller Könige“ zu verstehen?

Genau so, wie er wahrscheinlich für die Könige im alten Testament gedacht war: Du bist ein Vorbild für alle Könige. Du bist die Vorlage für erfolgreiches, lebendiges Königtum. Du bist der archetypische König.

Was hat Jesus in seinem Leben hier getan? Vieles, aber eines ganz bestimmt: er hat seine individuelle Berufung vollständig ausgelebt, bis hin zum Tod.

Jesus hat uns gezeigt, was es heisst, Mensch zu sein.

Der Mensch hat seine Bestimmung, von Gott zu empfangen und das Empfangene und damit Gott für andere zu reflektieren, abgelehnt.

Jesus hat das nicht. Er hat uns den Vater gezeigt. Er hat immer so agiert und reagiert, wie der Vater agiert und reagiert hätte. Er hat nichts getan, ausser dem, was dem Wesen des Vaters im Himmel entspricht.

So ist der Vers zu verstehen: Jesus kennt den Vater so gut, dass es ist, als ob er den Vater im Himmel handeln sähe. Er weiss, was der Vater tun würde. Er reflektierte ihn.

Sogar als die Menschen seinen Tod wollen, verhält er sich, wie der Vater sich verhalten würde: er lässt es zu.

Viel später, als Nietzsche verkündet, dass Gott tot sei, als die Aufklärung Gott aus der Gleichung entfernt und sterben lässt, lässt Gott das zu.

In diesem Gehorsam, der eigenen Berufung gerecht zu werden und darin den Vater zu reflektieren, liegt Leben und Auferstehung.

So wird Jesus zum Archetypen, zum Vorbild, zur Vorlage.

Wir verstehen den Ausspruch, dass wir wie Jesus werden sollen, oft auf einer zu einfachen Ebene. Wir versuchen, uns tatsächlich wie Jesus zu benehmen und wie er zu handeln.

Das ist nicht schlecht und nicht falsch, aber es gibt eine höhere Berufung: dem gerecht zu werden, was Gott sich für mich gedacht hat.

Gott hat mich mit Talenten und Fähigkeiten ausgerüstet, mir eine Berufung gegeben. Wie Jesus kann ich nur an Reife wachsen und diese Berufung bedingungslos annehmen und ausleben, oder ich kann versuchen, mich selbst zu verleugnen und eine Kopie von Jesus zu werden.

Zu lange haben wir versucht, in unsere Vorstellung von Jesus hineinzuwachsen, die oft sehr geprägt war von den Wunschvorstellungen, der Theologie und dem Selbstverständnis der jeweiligen Pastoren oder Denomination.

Zu lange haben wir hierarchische, moralische und ethische Massstäbe angesetzt, um zu messen, wie sehr jemand bereits ein Jesus ähnliches Leben führte.

Moral und Ethik sind wichtige Teilbereiche eines Christenlebens, die aber über die Jahrhunderte zu sehr im Zentrum standen. Wir leben immer noch in einer traditionellen Weltanschauung, wie ich anfangs gesagt habe. Es ist uns wichtig, konform zu sein, um dazuzugehören, ob zur Gemeinde oder ins Reich Gottes.

Was nun, wenn es unsere Berufung ist, unser Individuum so sehr zu stärken, dass wir in der Gemeinschaft als Individuum unseren Teil beisteuern können. Ganz im Sinne der Dreieinigkeit: Einheit mit eigener Persönlichkeit eines jeden.

Er kam als Mensch und lebte uns vor, was es heisst, Mensch zu sein.

Er ist König, und zeigt uns, was es heisst, König zu sein.

Er ist Meister, und leitet uns darin an, Meister zu sein.

Beitrag veröffentlicht

in

von

Kommentare

0 Antworten zu „König der Könige“

  1. Avatar von Marianne
    Marianne

    Und er trägt an seinem Gewand und an seiner Hüfte den Namen geschrieben: »König der Könige und Herr der Herren«.
    Offenbarung 19:16
    Dazu wird mir ein männliches Angesicht gezeigt; ein schwarz/weisses Foto. Ich sehe es an und versuche, auszudrücken, was mir an Eigenschaften entgegenkommt Es drückt Souveränität aus, Unbestechlichkeit, ruhige Sicherheit, Selbstbewusstsein im Wissen darum, wer er ist. In sich ruhende Gelassenheit. Sein Blick ist fest.
    Jetzt, beim Aufschreiben sehe ich als Entsprechung den Löwen, den Löwen aus Juda, wie Jesus auch genannt wird. Das männliche Antlitz auf dem Foto zeigt lange, seitwärts gekämmte Haare. Eine leicht geschwungene Linie, die lässig, natürlich den Kopf bedeckt. Ich bin beeindruckt vom ganzen Bild., denn ich spüre, dieser Mann lässt sich von nichts einschüchtern.
    Ein König, der eine unsichtbare Krone trägt.
    König David meint wohl auch eine solche Krone, wenn er im Psalm 103/4 sagt: Der dein Leben erlöst aus der Grube, der dich krönt mit Gnade und Erbarmen.
    Wenn wir Jesus als unsern König annehmen und bekennen, erhalten wir diese Krone von ihm. Er hat sie durch seinen Lebensstil und seine konstante Verbindung zum Vater und zu dessen Willen für uns erworben. Bestimmt, königlich zu sein, gekrönt mit Gnade und Barmherzigkeit, können wir während unseres Lebens da hinein wachsen, Jesus an unserer Seite habend. Dabei immer mehr die eigene Identität in ihm entdecken, annehmen und leben. Das Ebenbild Gottes sich kristallisieren lassen.
    Danke Ralph für diesen wertvollen, eindrücklichen Beitrag,

  2. Avatar von Marianne
    Marianne

    Dass uns Jesus Vorbild, Vorlage als König ist, hast du uns in deinem Eintrag eindrücklich gezeigt und darauf war auch mein erster Kommentar ausgerichtet. Nach wie vor schaue ich dies als richtig und wertvoll an. Aus meiner Sicht ist dies die eine Seite. Die andere ist jedoch genau so real und präsent: Jesus als der König der Könige, der Herr der Herren, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden. Er regiert. Wenn ich Zuflucht brauche, mich fürchte, verunsichert bin, ist es sein Name, der mich rettet, ist er die Burg, die mir gewährt, was mir kein Mensch gewähren kann, und sei er mir noch so vertraut. In Jesu Namen allein ist Rettung, Befreiung, Heil. Viele Menschen in allen Kulturen können davon Zeugnis ablegen: Befreit von dämonischen und versklavenden Herren und Mächten durch die Anrufung des Namens Jesu. Die Tatsache der Rettung in Jesu Namen gilt bis in nächtliche, bedrängende Träume hinein. Das habe ich selber einige Male erlebt. Nie nützte es etwas, wenn ich darin Menschen um Hilfe bat. Nur in der Anrufung und Autorität von Jesu Namen mussten dunkle Mächte weichen, ergriffen sie die Flucht.
    Auch im Leben als reifere Christin kann ich wieder einmal vor einem Berg stehen, bei dem ich sagen muss: Ich komme da nicht weiter, ich sehe keinen Weg, keine Möglichkeit. Wieder ist es nur Jesus, der mir Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung ist. Und nicht immer ist es eine Instant-Erlösung. Aber Jesus, der selber der Weg ist, geht den Weg mit mir, durch Tiefen und Täler, über Berge und Höhen. Da ist dann mein Dranbleiben mit ihm, mein Ausharren, meine Geduld und Gelassenheit gefragt. Und du als Leser merkst schon, wie ich gerade diese Qualitäten nicht aus mir zustande bringe, wie ich gerade dafür immer wieder die Hilfe Jesu brauche.
    Dieser König Jesus, Er als mein Gegenüber, mein Begleiter und Helfer, dieser hat den Namen über alle Namen empfangen, einzigartig in Vorbild und Macht. Ihn möchte ich ehren, ihm in allem den Vorrang geben. Es kostet. Es ist nicht nur leicht. Ich bin dran.
    Jesus, der Erste und der Letzte über allem Staub, siegreich und auferstanden, führt mich in Seinem Triumphzug mit. Das sagt Gottes Wort. Begreife ich diese Ehre? Manchmal ja, oft nein. Denn Leiden und Herrlichkeit sind ein ungetrenntes Paar.
    Ebenbildlichkeit und Stellung mit Autorität in Gott gehen zusammen diesen Weg.

    Lieber Ralph, noch ein anderer Gedanke, den ich hatte,aus dem jüdischen Erbteil:
    Jesus zwischen Malchut und Kether: Seine Füsse stehen auf dem Reich, sein Kopf trägt die Krone: So füllt er alle dazwischen liegenden Welten aus, ist Herr und König in allen und über alle!
    Darum: Baruch ata!
    Marianne